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16.03.2018

Caritas-Familiencafé hilft bei der Integration

Austausch, Kontakte, Gemeinschaft: Das finden geflüchtete Menschen, Migranten und ehrenamtlich Engagierte im Familiencafé des Caritasverbandes Region Mönchengladbach.

Mohemmed Nour Ahmed sitzt im Pfarrheim von St. Mariä Empfängnis in Lürrip und konzentriert sich auf das Schachbrett vor ihm. Er spielt mit Familienpflegerin Martina Schneiders vom Caritasverband. Ende 2015 flüchtete der 45 Jahre alte Syrer mit seiner Familie nach Deutschland. Seit einiger Zeit besucht er regelmäßig das Familiencafé, das jeden Mittwochnachmittag geöffnet ist. Seine vier und fünf Jahre alten Söhne hat der Syrer mitgebracht. Sie spielen gerade in einem anderen Raum des Pfarrheims, wo Erzieher der „rollenden Kita Mogli“ die Kinder betreuen.

Caritas_Familiencafe_Luerrip

Mohemmed Nour Ahmed kommt regelmäßig ins Familiencafé. Mit Familienpflegerin Martina Schneiders spielt der Syrer nicht nur Schach, sondern spricht auch über seine Probleme, beispielsweise bei der Suche nach einem Kita-Platz für seine Söhne.
 

Seit gut einem Jahr bietet der Caritasverband sein Familiencafé im Pfarrheim von St. Mariä Empfängnis an. Zuvor hatte es ab Mitte 2016 in der Flüchtlingsunterkunft am Fleenerweg in Lürrip stattgefunden. Den Kontakt zur Pfarre vermittelte Notburga Pütz, die ehrenamtlich im Familiencafé mitarbeitet und dem Kirchenvorstand angehört. Walburga Iseken, Gemeindesozialarbeiterin und Leiterin der Familienpflege des Caritasverbandes, erläutert die Idee hinter dem Umzug: „Viele geflüchtete Menschen haben die Sammelunterkunft verlassen und leben in eigenen Wohnungen. Wir möchten mit dem Familiencafé dazu beitragen, dass sie in den Stadtteil integriert werden, indem wir Kennenlernen und Begegnung ermöglichen.“ Eingeladen sind Flüchtlinge ebenso wie Deutsche und Migranten, die schon länger in Deutschland sind. Die Gesprächsthemen reichen von Behördenangelegenheiten bis zur Stromrechnung, von Familienproblemen bis zur Hilfe für traumatisierte Kinder. 

Auch Mohemmed Nour Ahmed lebt mit seiner Familie inzwischen in einer Wohnung. Aber er würde gerne umziehen, sagt er. Warum? Er zeigt Fotos: Nachbarn stellen ständig Müllsäcke vor die Tür. Eine ehrenamtlich engagierte Bürgerin hat deshalb schon einen Brief an den Vermieter geschrieben. Geändert hat sich noch nichts. Nour Ahmed hat in Syrien als Kfz-Mechaniker gearbeitet. Er spricht inzwischen ein wenig Deutsch und will weiter lernen: „Sprache gut – alles gut“, sagt er, „dann finde ich auch Arbeit.“

Mohammed Abu Kharma beherrscht die Sprache perfekt. Seit 24 Jahren lebt er in Deutschland. Er stammt aus Palästina und hat in Russland Mathematik studiert. Der 48-Jährige arbeitet bei den Maltesern in der Flüchtlingsbetreuung und ist vor einiger Zeit mit seiner Familie von Düsseldorf nach Mönchengladbach gezogen. Er ist oft im Familiencafé. Seine Söhne können hier mit anderen Kindern spielen, er selbst hilft ehrenamtlich beim Übersetzen.

Mit seiner Unterstützung erfahren Walburga Iseken, Notburga Pütz und Martina Schneiders an diesem Nachmittag mehr über die Geschichte von Nazira Muhmad. Auch sie kommt aus Syrien, hat dort als Grundschullehrerin gearbeitet. Ihr Mann wurde festgenommen und gefoltert, er leidet bis heute psychisch unter den Folgen und wird in einer Klinik in Mönchengladbach behandelt. Seit gut zwei Jahren ist die Familie in Deutschland – bis auf die älteste Tochter (30), die im Libanon festsitzt. „Wir haben nicht das Geld, um sie zu holen“, sagt Nazira Muhmad traurig.

Caritas_Familiencafe_Luerrip

Menschen aus dem Mönchengladbacher Stadtteil Lürrip – Flüchtlinge, bereits länger hier lebende Migranten, ehrenamtlich Engagierte – besuchen das Caritas-Familiencafé im Pfarrheim von St. Mariä Empfängnis.
 

Im Sprachkurs hat die vierfache Mutter vom Caritas-Familiencafé erfahren. „Ich suche Kontakte und Gesellschaft“, erklärt die 53-Jährige. Walburga Iseken weiß, wie wichtig das ist. „Wir müssen etwas dafür tun, dass es ein Gefühl des Zusammenwachsens gibt, sonst sind Probleme programmiert“, sagt sie. Das Familiencafé könne dazu beitragen, dass „Heimat“ entstehe, fügt Iseken hinzu – denn: „Heimat ist nicht allein ein Ort, sondern vor allem Gemeinschaft.“

Mohemmed Nour Ahmed würde das wohl bestätigen. Um den Hals trägt er einen Schal von Borussia Mönchengladbach. Er zeigt darauf und lächelt: „Meine Mannschaft. Borussia.“

Info:

Das Caritas-Familiencafé im Pfarrheim Lürrip ist jeden Mittwoch von 14.30 bis 16.30 Uhr geöffnet (Neusser Straße 220a, hinter der Kirche). Jeder ist willkommen, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Kinder werden während der Öffnungszeit von „Mogli“ betreut. Mogli steht für „Mobil gemeinsam lernen international“; das Projekt fördert Flüchtlingskinder im Kita-Alter.

 

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