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06.05.2017

Kluft zwischen Arm und Reich wächst

Nie haben mehr Mönchengladbacher Hartz-IV-Leistungen bezogen als heute – mehr als 40.000 Bürgerinnen und Bürger. Grund genug für die Katholische Liga, vor der Landtagswahl auf die Situation von Menschen hinzuweisen, denen es nicht so gut geht.

„Die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich vergrößert und vergrößert sich weiter. Wir machen uns Sorgen um die Menschen, für die wir arbeiten“, sagt Frank Polixa, Geschäftsführer des Caritasverbandes Region Mönchengladbach und Sprecher der Katholischen Liga, in der sich neun Organisationen aus dem Sozial- und Bildungsbereich zusammengeschlossen haben. Jedes dritte Kind in Mönchengladbach wachse in einem Haushalt auf, der auf Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II angewiesen sei, um seinen Lebensunterhalt decken zu können. „Trotz der guten Entwicklung bei der Konjunktur und auf dem Arbeitsmarkt drohen sich Armut und Ausgrenzung zu verfestigen“, erklärt Polixa.

Mit Blick auf die Landtagswahl haben sich Arbeitsgruppen der Katholischen Liga mit der Lage von Kindern und Familien, von alten und pflegebedürftigen Bürgern sowie von arbeitslosen und wohnungslosen Menschen beschäftigt. „Auch in unserer Stadt sind viele Familien unter Druck, wie sie berufliche Herausforderungen und Kinder unter einen Hut bringen“, berichtet Anne Bleumer, Fachbereichsleiterin bei der Familienbildungsstätte. Die Anzahl der Kita-Plätze reiche für die Nachfrage nicht aus. Deshalb fordert Bleumer: „Wir brauchen mehr Kita-Plätze und vor allem eine qualitativ gute Betreuung.“ Die Anforderungen an die Erzieherinnen und Erzieher seien durch das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) und aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen enorm gestiegen. Bleumer: „Um Bildung, Betreuung und Beratung gewährleisten zu können, brauchen Kitas ausreichende Ressourcen: Freistellung der Kitaleitung, finanzielle Absicherung der Träger und Einrichtungen sowie ausreichend Personalmittel für eine gute Qualität der Arbeit, um allen Kindern die gleichen Chancen zu ermöglichen.“

Katholische Liga Mönchengladbach

Foto von links: Martin Dalz (Verein Wohlfahrt), Anne Bleumer (Familien-bildungsstätte), Frank Polixa (Caritasverband)

 

Wird es in einigen Jahren zu wenige Altenheim-Plätze in Mönchengladbach und anderswo geben? Genau das befürchtet Frank Polixa, wenn nicht das Landes-Altenpflegegesetz GEPA nachgebessert wird. Nach heutigem Stand würden die meisten Träger von Altenheimen einiges von dem Geld, das sie vor vielen Jahren im Vertrauen auf die damals gültigen Gesetze investiert hätten, nicht zurückbekommen. Polixa kritisiert, dass das GEPA hier keinen Bestandsschutz vorsieht. „Diese Regelung könnte für manches Altenheim in den nächsten Jahren das Aus bedeuten. Dann fehlen dringend benötigte Plätze, und dann haben die pflegebedürftigen alten Menschen weniger Wahlmöglichkeiten“, erklärt er.

Schon jetzt habe sich das Gesetz als „teures Bürokratiemonster“ entpuppt. Die Einrichtungen mussten für das neue Berechnungsverfahren der Investitionskosten ihre Anschaffungs- und Herstellungskosten nachträglich zum Teil über mehrere Jahrzehnte ermitteln. Polixa ärgert sich auch darüber, dass der Caritasverband für vier seiner sechs betroffenen Einrichtungen die Investitionskostenbescheide nach dem neuen Gesetz noch gar nicht erhalten hat: „Wenn sie denn irgendwann kommen, werden wir rückwirkend ab 1. Januar sämtliche Rechnungen an die Bewohner neu ausstellen müssen. Erneut ein irrer Verwaltungsaufwand.“ Schon jetzt stehe fest, dass der Caritasverband tausende Abrechnungen neu anfertigen müsse. „Ich halte es für skandalös, wie das Land die Umsetzung eines handwerklich schlecht gemachten Gesetzes auf dem Rücken der Träger und Einrichtungen und damit auch auf dem Rücken der alten Menschen austrägt“, erklärt Polixa.

„Werden Sie wählen gehen?“ Das hat die Katholische Liga insgesamt 113 Menschen aus dem Arbeitslosenzentrum, dem Verein Wohlfahrt und dem Volksverein gefragt. Rund 60 Prozent bekundeten, dass sie sich an der Wahl beteiligen wollen. „Die Befragten wünschen sich mehr Mitspracherechte, bezahlbare Wohnungen und eine gerechtere Lastenverteilung“, berichtet Martin Dalz, Geschäftsführer des Vereins Wohlfahrt. Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen gehöre zu ihren Forderungen. „Sie wollen weniger gegängelt werden – und sie möchten, dass nach der Wahl die Wahlversprechen der Parteien auch eingehalten werden“, so Dalz.

Welche Wahl hat NRW?

„Soziale Arbeit – welche Wahl hat NRW?“ Antworten auf diese Frage möchte die Katholische Liga kurz vor der Landtagswahl von Kandidaten der Parteien erhalten. Sie lädt alle Interessierten für Donnerstag, 11. Mai, um 18.00 Uhr (Einlass und Empfang ab 17.30 Uhr) zu einer Podiumsdiskussion ins Haus der Regionen, Bettrather Straße 22-28, 41061 Mönchengladbach, ein. Zugesagt haben Jochen Klenner (CDU), Angela Tillmann (SPD), Daniel Winkens (FDP) und Dr. Boris Wolkowski (Bündnis 90/Die Grünen).

 

Über die Katholische Liga:

In der 1997 gegründeten Katholischen Liga haben sich die Verbände und Einrichtungen in der Region zusammengeschlossen, die im Sozial- und Bildungsbereich tätig sind. Aktuell sind folgende Institutionen Mitglieder der Liga: Büro der Regionaldekane für die Regionen Mönchengladbach und Heinsberg, Caritasverband Region Mönchengladbach e.V., Familienbildungsstätte Mönchengladbach gGmbH, Katholisches Beratungszentrum, Katholisches Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg, Sozialdienst katholischer Frauen Mönchengladbach e.V., SKM - Katholischer Verein für soziale Dienste Rheydt e.V., Verein Wohlfahrt e.V. und Volksverein Mönchengladbach gGmbH. Ziele der Liga sind der Informationsaustausch zu fachlichen und politischen Entwicklungen im Zusammenhang mit den jeweiligen Arbeitsfeldern, die Information und Abstimmung bei Veränderungen der eigenen Arbeitsbereiche sowie die Durchführung gemeinsamer Aktionen.

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